Wiener Zeitung Tarockcup

Ostösterreich zieht nach

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Die Geschichte des Wiener Tarockcups

 

Wie aus einer Idee eine große Bewegung wurde

Von Robert Sedlaczek

 

Am Beginn des Wiener Tarockcups stand eine Buchidee. Irgendwann Ende der 1990er Jahre trafen sich Robert Sedlaczek und Wolfgang Mayr beim Heurigen: „Wir haben beide so viel Material über die Geschichte des Tarockspiels gesammelt, über die berühmten Tarockierer von Mozart über Strauß bis Freud – warum machen wir daraus nicht ein Buch?“ – „Genau! Dann noch all die Postkarten mit Tarockmotiven! Das wären doch schöne Illustrationen! Außerdem stellt uns der Spielkartensammler Klaus Reisinger sicher Abbildungen aus historischen Karten zur Verfügung.“ – „Was die Geschichte des Tarockspiels anlangt: Diese wurde ja von Michael Dummett und John McLeod akribisch recherchiert und in einem dicken, englischsprachigen Wälzer dargestellt. Auch darauf können wir zurückgreifen. Außerdem sollten wir auch die alten, schon ausgestorbenen Varianten darstellen.“ Die beiden machten sich an die Arbeit. Wer sich mit Tarock in Österreich beschäftigt, landet zwangsläufig bei den oberösterreichischen Cups. „Wir waren erstaunt, was Peter Haudum und Johann Fischer da aufgezogen hatten. Natürlich sind wir nach Helfenberg und nach Strass im Attergau gefahren, um mit ihnen zu plaudern, Erfahrungen auszutauschen und Tarock zu spielen.“

 

Es begann mit einer Buchpräsentation

Als dann im Jahr 2001 „Das große Tarockbuch“ mit seinem goldfarbenen Einband endlich fertig war, musste eine Buchpräsentation arrangiert werden. „Wenn es in Oberösterreich sogar zwei Cups gibt, warum gibt es in Wien nicht wenigstens einen?“ Gleichsam als Probelauf wurden drei Turniere veranstaltet. Um dem Wiener Publikum noch eine zusätzliche Unterhaltung zu bieten, hat Heinz Marecek Theateranekdoten vorgetragen – in einer Pause des Turniers im Hotel Wimberger. Außerdem nahm der berühmte Schauspieler auch selbst am Turnier teil, genauso zahlreiche Persönlichkeiten aus dem Bereich der Medien, der Politik und der Wirtschaft. Siegerin wurde die ORF-Kulturjournalistin Eva Maria Klinger. Das zweite Turnier fand im Tabakmuseum in der Mariahilfer Straße statt. Jetzt war Generaldirektor Beppo Mauhart der prominente Gastgeber. In einem dritten Turnier im Casino Baden wurde der erste Wiener Tarockmeister im Königrufen gekürt: Karl Holub. Es war jenes Turnier, bei dem Lore Krainer Tarockanekdoten vortrug – zum Amüsement aller Teilnehmer. Am Ende des Turnieres im Hotel Wimberger trat Robert Sedlaczek auf die Bühne, dankte allen fürs Kommen und sagte: „Wir haben vor, uns in Zukunft jeden Mittwoch ab 19 Uhr im Café Ritter in der Ottakringer Straße zu treffen. Jeder, der Lust hat, kann vorbeischauen. Es soll ein zwangloser Treffpunkt für Königrufer sein. Man braucht sich nicht um Spielpartner kümmern, muss sich nicht anmelden, geht einfach hin und tarockiert.“ Diese öffentliche Runde existiert bis zum heutigen Tag. Sie ist für Wien eine Seltenheit. Da der damalige Chefredakteur der Tageszeitung „Die Presse“, Andreas Unterberger, vom ersten Turnier an dabei war, lag es auf der Hand, ihn um eine Schirmherrschaft für die Turnierserie zu bitten. So entstand der „Wiener Tarockcup“ der Tageszeitung „Die Presse“. Als Andreas Unterberger von der „Presse“ in die „Wiener Zeitung“ wechselte, wurde daraus der „Wiener Zeitung“-Tarockcup. Gleichzeitig hat Unterberger den beiden Buchautoren die Möglichkeit gegeben, in der Freitag-Beilage der „Wiener Zeitung“ eine regelmäßige Tarockkolumne mit Spieletipps zu verfassen. Daraus ist dann ein zweites Buch mit einem grünen Umschlag entstanden: „Die Strategie des Tarockspiels“. Die Tarockkolumnen von Mayr und Sedlaczek finden sich inzwischen auch im Linzer „Neuen Volksblatt“ – vierzehntägig, alternierend mit einer Infobox; sie enthält Hinweise auf Termine und Tarockgasthäuser in Oberösterreich. Die „Wiener Zeitung“ stellt seither dem Wiener Tarockcup nicht nur die Turnierkalender und andere Drucksorten zur Verfügung, sondern hat auch auf ihrer Website unter www.wienerzeitung.at/tarockcup eine Rubrik eingerichtet, wo Berichte über die Turniere des Wiener Cups samt Siegerfotos zu finden sind, ferner der Turnierkalender und der Zwischenstand in der Gesamtwertung.

 

Tragfähige Strukturen werden geschaffen

 Es stellte sich heraus, dass zwei Personen allein nicht in der Lage sind, den größer werdenden Wiener Cup zu organisieren. Robert Sedlaczek: „Dass uns Karl Haas jun. aus Helfenberg die Turniersoftware zur Verfügung gestellt hat, war eine große Hilfe. Doch bei der Organisation mussten wir unser Lehrgeld zahlen. So gab es beim Turnier im Tabakmuseum Freibier der Marke Zipfer, perfekt gezapft von Mitarbeitern der Brau-Union. Für das leibliche Wohl stellte meine Frau Melita Brötchen her, unsere Tochter Roberta half beim Verkauf. Am Ende hatten wir nicht genug Brötchen und mussten in einer nahegelegenen Konditorei alle Bestände an Topfengolatschen aufkaufen. Damals haben wir kein Nenngeld eingehoben, gingen davon aus, dass man mit dem Verkauf von Brötchen, Kaffee und Mineralwasser das Turnier finanzieren kann. Eine Fehleinschätzung. Das Bier war ja gratis, unser mitgeschlepptes Mineralwasser erwies sich als Ladenhüter.“ Also mussten Strukturen nach dem Muster des Hausruckcups her, nicht nur was die Finanzierung aus Nenngeldern anlangt. Jedes Turnier hat einen Veranstalter, zwei Mal im Jahr kommen die Veranstalter zu einer Art Generalversammlung zusammen und treffen alle wichtigen Entscheidungen. Das ursprüngliche Ein-Mann-Präsidium, nämlich Robert Sedlaczek, wurde um drei Personen erweitert: Christian Faltl, Robert Ohorn und Martin Vacha. Letzterer organisiert Tarockkurse an der Volkshochschule Hietzing und sorgt so für Spielernachwuchs. Im Jahr 2010 legte Sedlaczek das Präsidentenamt in die Hände von Christian Faltl – ein entsprechender Vorschlag wurde in der Generalversammlung einstimmig angenommen.

 

Wien ist ein schwieriger Boden für Tarockturniere

Bald war klar, dass es in Wien nicht so einfach ist, Turnierlokale und Sponsoren zu finden. Außerdem war es utopisch, mit Teilnehmerzahlen wie in Oberösterreich zu rechnen. In Wien wird nicht nur Königrufen gespielt, sondern auch Zwanzigerrufen. Die Zielgruppe ist also wesentlich kleiner, das Freizeitangebot einer Großstadt stellt eine erhebliche Konkurrenz dar. Es lag daher auf der Hand, auch außerhalb Wiens zu spielen. Der nördlichste Punkt ist heute Mailberg, der westlichste St. Valentin, der östlichste Bük in Ungarn und der südlichste Villach. So ist der Wiener Tarockcup zu einer kleinen aber feinen Serie geworden, die einen Teil Österreichs abdeckt und einmal sogar einen Abstecher nach Ungarn macht. Aus dem Wiener Tarockcup heraus hat sich auch eine rege Internetszene entwickelt. Viele Spieler, die an den Turnieren des „Wiener Cups“ teilnehmen oder am Mittwoch im Café Ritter spielen, treffen sich auch auf „Gametwist“. Dabei hat sich herausgestellt, dass Internet-Tarock keine Konkurrenz zur Turnierserie darstellt, sondern eine interessante Ergänzung ist. Die Internetspieler organisieren einmal im Jahr im Rahmen des Wiener Cups ein Turnier, und dieses zählt immer zu den bestbesuchten der Saison. Und auf Gametwist organisiert inzwischen jede Woche Arno Peter ein Internetturnier – Christian Rieseneder hat eine zweite Internetturnierserie nach diesem Muster gestartet.

 

Tarock wird in vielen Ländern gespielt

 Und auch die Recherchen gehen weiter. Robert Sedlaczek hat inzwischen zahlreiche Kontakte zu Spielern anderer Tarockvarianten geknüpft: zu den Neunzehnerrufern im östlichen Mühlviertel und in Niederösterreich, zu den Dreiertarock-Spielern in Kärnten und natürlich zu den Zwanzigerrufern in Wien. Vom Aussterben bedroht ist ein ungarisches Zwanzigerrufen, das im Mühlviertel gespielt wird. Auch die ausländischen Kontakte haben sich verdichtet, ganz besonders zu den Spielern des „Illustrierten Tarock“ in Ungarn, aber auch zu slowakischen, tschechischen und polnischen Neunzehnerrufern. Tarock war ja seinerzeit ein kulturelles Bindeglied innerhalb der Monarchie, jetzt könnte es zu einem Bindeglied innerhalb der EU werden. Ganz bemerkenswert ist, wie weit sich Königrufen in der Habsburgermonarchie ausgebreitet hat. Es wird nicht nur in Slowenien gespielt, sondern auch in Tschernowitz (heute Ukraine) und in Transsylvanien (heute Rumänien). Im Sommer 2011 haben Robert Sedlaczek und Wolfgang Mayr Königrufer in Südpolen besucht und anschließend deren Spielregeln in den österreichischen Medien publiziert. Es wird noch weitere Tarock-Erkundungsreisen geben, meist ist auch der englische Kartenspieleforscher John McLeod daran beteiligt. Der Betreiber der Website www.pagat.com ist ein leidenschaftlicher Tarockierer, er dokumentiert aber auch penibel alle Kartenspiele der Welt. John McLeod hat ganz seltene Tarockvarianten in der Schweiz und in Italien aufgespürt, zuletzt im Piemont. Dort dürfen die Spieler während des Spiels miteinander reden, ähnlich wie in einem Bettel ouvert (= Plauderer). Es gibt immer wieder etwas Neues zu entdecken.

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